Können, müssen, dürfen, nicht dürfen

A2 능력·의무·허락·금지 34 / 68

Kurz gefasst

Vier alltägliche „modale“ Vorstellungen haben jeweils ihr eigenes Muster, und drei davon stützen sich auf 되다 (doeda, in Ordnung sein / gehen): können = Stamm + -(으)ㄹ 수 있어요 (할 수 있어요, kann es tun); müssen = Stamm + -아/어야 돼요 (해야 돼요, muss es tun); dürfen = Stamm + -아/어도 돼요 (해도 돼요, darf es tun); nicht dürfen = Stamm + -(으)면 안 돼요 (하면 안 돼요, darf es nicht tun). Achte durchweg auf zwei Dinge: die Leerzeichen in 할 수 있어요 und die Schreibung 돼요, nie *되요.

Die Regel

Jedes Muster ist einfach eine Stammendung, die du schon kennst (-(으)ㄹ, -아/어, -(으)면), plus ein feststehendes kleines Anhängsel (수 있다, -야 되다, -도 되다, 안 되다). Bilde den vorderen Teil auf die gewohnte Weise, und das Anhängsel ändert sich nie.

Schritt 1 – Fähigkeit: -(으)ㄹ 수 있다 / 없다

Verbstamm + -(으)ㄹ 수 있어요 = kann, -(으)ㄹ 수 없어요 = kann nicht. Hier ist 수 ein unselbstständiges Nomen mit der Bedeutung eine Möglichkeit, deshalb nimmt es die prospektive Attributivendung -(으)ㄹ aus Lektion 24: -ㄹ 수 nach einem Vokal (und nach einem ㄹ-받침), -을 수 nach jedem anderen 받침.

  • 하다 -> 할 수 있어요 (hal su isseoyo) – kann es tun
  • 먹다 -> 먹을 수 있어요 (meogeul su isseoyo) – kann essen

Das negative -(으)ㄹ 수 없어요 überschneidet sich mit 못 aus Lektion 14: 못 해요 (mot haeyo) und 할 수 없어요 (hal su eopseoyo) bedeuten beide kann es nicht tun. 못 betont, im Moment blockiert zu sein – und achte auf das Leerzeichen, denn das eine Wort 못하다 ist ein eigener Wörterbucheintrag mit der Bedeutung in etwas schlecht sein; -(으)ㄹ 수 없어요 stellt die schlichte Unmöglichkeit fest und ist eine Spur formeller. Aber 못 hat kein positives Gegenstück – um zu sagen, dass du kannst, musst du zu -(으)ㄹ 수 있어요 greifen. (Ein anderes „können“ – wissen, wie man etwas macht – ist -(으)ㄹ 줄 알다, aufgehoben für Lektion 52.)

Schritt 2 – Verpflichtung: -아/어야 되다 (und -아/어야지요)

Stamm + -아/어야 돼요 = müssen. Bilde die -아/어-Form (Lektion 10), füge -야 hinzu, dann 돼요: 가다 -> 가야 돼요 (gaya dwaeyo), 먹다 -> 먹어야 돼요 (meogeoya dwaeyo), 하다 -> 해야 돼요 (haeya dwaeyo). Die gesprochene Sprache bevorzugt 되다; Schriftsprache und formelle Rede bevorzugen 하다 – 가야 해요 (gaya haeyo) – ohne Bedeutungsunterschied.

Eine nahe Verwandte, -아/어야지요 (oft verkürzt zu -아/어야죠), ist eine sanfte Selbstermahnung oder ein zarter Stups: 이제 가야지요. (Ije gayajiyo.) – Wir sollten jetzt wirklich losgehen.

Schritt 3 – Erlaubnis: -아/어도 되다

Verbstamm + -아/어도 돼요 = dürfen / in Ordnung sein. Dieselbe -아/어-Form, diesmal mit -도: 가도 돼요 (gado dwaeyo, darf gehen), 먹어도 돼요 (meogeodo dwaeyo, darf essen), 봐도 돼요? (bwado dwaeyo?, darf ich schauen?). Als Frage bittet es um Erlaubnis; als Aussage erteilt es sie. Zwei austauschbare Varianten setzen anstelle von 되다 괜찮다 oder 좋다 ein: 봐도 괜찮아요? (bwado gwaenchanayo?) und 봐도 좋아요 (bwado joayo) bedeuten dasselbe.

Schritt 4 – Verbot gegenüber fehlender Verpflichtung – nicht verwechseln

Beide tragen ein „nicht“, und das Deutsche verwischt sie ebenfalls, also entscheide erst, was die Situation meint, bevor du übersetzt.

  • Nicht dürfen = Verbstamm + -(으)면 안 돼요 – eine Wand. Es ist der -(으)면-Konditional (Lektion 29) plus 안 돼요: wörtlich wenn du es tust, geht es nicht. 가면 안 돼요 (gamyeon an dwaeyo) – du darfst nicht gehen.
  • Nicht müssen = verneine das Verb innerhalb des Erlaubnisrahmens: 안 + Verb + -아/어도 돼요, oder Stamm + -지 않아도 돼요 – ein Freifahrtschein. 안 가도 돼요 (an gado dwaeyo) = 가지 않아도 돼요 (gaji anado dwaeyo) – du musst nicht gehen.

Also ist „du musst nicht gehen“ 안 가도 돼요, NICHT 가면 안 돼요 (das verbietet zu gehen).

Schritt 5 – Antworten, und zwei Rechtschreibfallen

Auf eine -아/어도 돼요?-Frage erteilst du die Erlaubnis mit 네, 돼요 / 네, 그러세요 (Ne, geureoseyo, ja, nur zu) / 그럼요 (Geureomyo, natürlich), oder verweigerst sie mit 아니요, 안 돼요 / 아니요, -(으)면 안 돼요.

Zwei Dinge stolpern fast jeden: 수 und 있다 sind getrennte Wörter, deshalb hat 할 수 있어요 zwei Leerzeichen; und 돼요 ist 되 + 어요 zusammengezogen – es gibt kein *되요.

Formen und Muster

Die vier Muster auf einen Blick (gezeigt an 하다):

BedeutungMusterBeispiel an 하다
können, imstande seinStamm + -(으)ㄹ 수 있어요할 수 있어요 (hal su isseoyo)
nicht könnenStamm + -(으)ㄹ 수 없어요 (= 못 + Verb)할 수 없어요 (hal su eopseoyo) = 못 해요
müssenStamm + -아/어야 돼요 (gesprochen) / -아/어야 해요 (geschrieben)해야 돼요 (haeya dwaeyo)
dürfen, in Ordnung seinStamm + -아/어도 돼요해도 돼요 (haedo dwaeyo)
nicht dürfenStamm + -(으)면 안 돼요하면 안 돼요 (hamyeon an dwaeyo)
nicht müssen안 + Verb + -아/어도 돼요 / Stamm + -지 않아도 돼요안 해도 돼요 (an haedo dwaeyo)

-(으)ㄹ 수 있다 – die vom 받침 bestimmte Endung:

Stamm endet aufEndungDurchgerechnetes Beispiel
einem Vokal-ㄹ 수 있어요가다 -> 갈 수 있어요 (gal su isseoyo) – kann gehen
einen 받침 außer ㄹ-을 수 있어요 (ein unregelmäßiger Stamm formt sich zuerst um und nimmt dann, was seine neue Form verlangt, Lektion 17: 듣다 -> 들을 수, 돕다 -> 도울 수)읽다 -> 읽을 수 있어요 (ilgeul su isseoyo) – kann lesen
ㄹ 받침 (der ㄹ absorbiert die Endung)-ㄹ 수 있어요만들다 -> 만들 수 있어요 (mandeul su isseoyo) – kann machen

-아/어-Harmonie bei den 되다-Mustern (Verpflichtung und Erlaubnis verwenden dieselbe 아/어-Form):

Letzter Stammvokal-아/어야 돼요 (müssen)-아/어도 돼요 (dürfen)
ㅏ, ㅗ -> -아가다 -> 가야 돼요 (gaya dwaeyo)가다 -> 가도 돼요 (gado dwaeyo)
jeder andere Vokal -> -어먹다 -> 먹어야 돼요 (meogeoya dwaeyo)먹다 -> 먹어도 돼요 (meogeodo dwaeyo)
하다 -> 해하다 -> 해야 돼요 (haeya dwaeyo)하다 -> 해도 돼요 (haedo dwaeyo)
ㅗ zieht sich zusammen (보 -> 봐)보다 -> 봐야 돼요 (bwaya dwaeyo)보다 -> 봐도 돼요 (bwado dwaeyo)

Um Erlaubnis fragen und antworten:

FrageErteilenVerweigern
들어가도 돼요? (Deureogado dwaeyo?) – Darf ich reinkommen?네, 돼요. / 네, 그러세요. (Ne, geureoseyo.) / 그럼요. (Geureomyo.)아니요, 안 돼요. (Aniyo, an dwaeyo.) / 아니요, 들어가면 안 돼요.

Beispiele

  • 저는 한국어를 조금 할 수 있어요. (Jeoneun hangugeoreul jogeum hal su isseoyo.) – Ich kann ein bisschen Koreanisch sprechen.
  • 오늘은 바빠서 갈 수 없어요. (Oneureun bappaseo gal su eopseoyo.) – Ich kann heute nicht gehen, weil ich beschäftigt bin.
  • 저는 매운 음식을 못 먹어요. (Jeoneun maeun eumsigeul mot meogeoyo.) – Ich kann kein scharfes Essen essen.
  • 여기에서 사진을 찍어도 돼요? (Yeogieseo sajineul jjigeodo dwaeyo?) – Darf ich hier Fotos machen?
  • 아니요, 여기에서는 찍으면 안 돼요. (Aniyo, yeogieseoneun jjigeumyeon an dwaeyo.) – Nein, hier darfst du keine Fotos machen.
  • 오늘 안에 숙제를 다 해야 돼요. (Oneul ane sukjereul da haeya dwaeyo.) – Ich muss die ganzen Hausaufgaben heute noch fertig machen.
  • 내일은 학교에 안 가도 돼요. (Naeireun hakgyoe an gado dwaeyo.) – Ich muss morgen nicht zur Schule gehen.
  • 이제 자야지요. (Ije jayajiyo.) – Ich sollte jetzt wirklich schlafen gehen.

Häufige Fehler

  • 할수있어요. (Halsuisseoyo.) -> 할 수 있어요. (Hal su isseoyo.) – 수 ist ein unselbstständiges Nomen und 있다 ein Hilfsverb, deshalb setzt die 띄어쓰기 auf beiden Seiten von 수 ein Leerzeichen.
  • 가도 되요? (Gado doeyo?) -> 가도 돼요? (Gado dwaeyo?) – 되 braucht eine vokalische Endung: 되 + 어요 zieht sich zu 돼요 zusammen. Es gibt kein *되요.
  • 가면 안 돼요. (bedeutet „ich muss nicht gehen“) -> 안 가도 돼요. (An gado dwaeyo.) – -(으)면 안 되다 verbietet (darf nicht); muss nicht ist 안 …-아/어도 되다. Die beiden sind Gegensätze.
  • 가을 수 있어요. (Gaeul su isseoyo.) -> 갈 수 있어요. (Gal su isseoyo.) – Ein vokalisch endender Stamm nimmt -ㄹ 수; -을 수 ist nur für einen 받침 (먹을 수).
  • 가아도 돼요? (Gaado dwaeyo?) -> 가도 돼요? (Gado dwaeyo?) – Beim ㅏ-Stamm zieht sich 가- + -아도 zwingend zu 가도 zusammen; das unzusammengezogene *가아도 wird nie geschrieben.

Tipps

  • Der 되/돼-Test. 돼 ist die Kurzform von 되어, deshalb schreibst du überall, wo 되어/되었 passen würde, 돼/됐. Eine schnelle Probe: setze 하다 probeweise ein – wo 해 richtig klingt, verwende 돼; wo 하 richtig klingt, verwende 되. So schreibst du 안 돼요 (wie 안 해요), aber die Wörterbuchform 되다 (wie 하다). Das sichert auch Muttersprachlern die richtige Schreibung.
  • Wand gegenüber Freifahrtschein. Stell dir -(으)면 안 돼요 als Wand vor (verboten) und 안 -아/어도 돼요 als grünes Licht (freigestellt). Das deutsche „nicht müssen“ und „nicht dürfen“ verbergen beide ein „nicht“, also wähle zuerst die Bedeutung, dann das Muster.
  • Kein einzelnes Wort für „können“. Das Koreanische hat das kurze Adverb 못 für nicht können, aber nichts Kurzes für können – das Positive ist immer -(으)ㄹ 수 있어요. Ordne sie paarweise zu: 못 해요 <-> 할 수 있어요.
  • Gesprochen 되다, geschrieben 하다. Im Gespräch ist die Verpflichtung -아/어야 돼요; in Schrift und formeller Rede wird sie zu -아/어야 해요. Erlaubnis und Verbot bevorzugen im Gespräch ebenfalls 되다 (해도 돼요, 하면 안 돼요).