Retrospektiv -더-: was du selbst erlebt hast, und -던/-았던
B1 회상 -더라고요·-더니와 관형형 -던·-았던 57 / 68
Kurz gefasst
Das Retrospektiv -더- berichtet etwas, das du selbst in der Vergangenheit gesehen, gehört oder gefühlt hast und dich jetzt daran erinnerst. In der gesprochenen Sprache ist das -더라고요 („Mir ist aufgefallen, dass …“) mit seinem lockeren Zwilling -더라; als Attributivform ist es -던 (gewohnheitsmäßig oder unvollendet geblieben) und -았/었던 (abgeschlossen und jetzt vorbei). 그 카페 커피가 맛있더라고요 (masitdeoragoyo, der Kaffee dort war gut, wie ich feststellte).
Die Regel
-더- ist der koreanische Marker für Evidenz aus erster Hand: Er zeigt an, dass die Information zu einem vergangenen Zeitpunkt durch deine eigenen Augen, Ohren oder Gefühle zu dir kam. Er nimmt nie 으 und ändert sich nie durch Vokalharmonie – er wird einfach direkt an jeden Stamm angehängt.
Schritt 1 – -더라고요: berichten, was du selbst erlebt hast
Verb-/Adjektivstamm + -더라고요. Es stellt eine Tatsache als frische Entdeckung dar, die du gemacht hast: 어제 가 보니까 사람이 많더라고요 (manteoragoyo, es waren viele Leute da, wie ich feststellte). Stapele die Vergangenheit -았/었더라고요, wenn das Ereignis schon abgeschlossen war, als du es bemerkt hast: 벌써 갔더라고요 (gatdeoragoyo, er/es war schon gegangen, wie ich sah). Bei einem Nomen lautet es -이더라고요: 학생이더라고요 (haksaengideoragoyo, stellte sich als Student heraus).
Schritt 2 – die Personenregel (das ist der knifflige Teil)
Weil -더- berichtet, was du von außen beobachtet hast, passt es nicht zu deinen eigenen Handlungen – du kannst dich nicht selbst beobachten. Berichte deine eigenen Handlungen stattdessen mit der einfachen Vergangenheit. Bei Gefühlen dreht sich das aber um: deine eigenen inneren Reaktionen sind genau das, wofür -더- da ist, während du die Gefühle anderer nur erschließen kannst – dafür brauchst du -어하다.
- die Handlung einer anderen Person, die du gesehen hast -> 친구가 공부하더라고요 (chinguga gongbuhadeoragoyo, mein Freund hat gelernt, wie ich sah).
- deine eigene Handlung -> einfache Vergangenheit: 저는 공부했어요 (jeoneun gongbuhaesseoyo), nicht 저는 공부하더라고요.
- dein eigenes Gefühl -> 저는 무섭더라고요 (jeoneun museopdeoragoyo, ich fand es gruselig).
- das Gefühl einer anderen Person -> 친구는 무서워하더라고요 (chinguneun museowohadeoragoyo, mein Freund hatte Angst).
Schritt 3 – das lockere -더라 und das Hintergrund--던데요
-더라 ist die 반말-Form von -더라고요, für Freunde: 그 영화 진짜 재미있더라 (jaemiitdeora, dieser Film war wirklich lustig). -던데요 (aus -더- + -는데요, Lektion 41) legt eine selbst erlebte Tatsache als Hintergrund, der zu einer Reaktion einlädt, dar: 아까 보니까 문이 열려 있던데요 (yeollyeo itdeondeyo, die Tür stand offen, als ich hinsah, weißt du). Die Vergangenheit -았/었- stapelt sich auf -더라 und -던데요 genau wie auf -더라고요 – 왔더라 (watdeora), 컸던데요 (keotdeondeyo) – und ändert, anders als -더니, nichts außer der Abgeschlossenheit dessen, was du gesehen hast.
Schritt 4 – -더니 gegenüber -았/었더니
-더니 verknüpft eine frühere Situation, die du beobachtet hast, mit einer Veränderung oder einem Ergebnis, und ihr Subjekt steht in der 2. oder 3. Person: 어제 아프더니 오늘은 괜찮네요 (eoje apeudeoni oneureun gwaenchanneyo, du warst/er war gestern krank, und heute geht es dir/ihm gut). Setzt du stattdessen die Vergangenheit -았/었더니 ein, wird es zur 1. Person: du hast etwas getan, und danach folgte etwas – 아침을 안 먹었더니 배고파요 (achimeul an meogeotdeoni baegopayo, ich habe das Frühstück ausgelassen, deshalb habe ich jetzt Hunger).
Schritt 5 – die Attributivformen -던, -았/었던 und das einfache -(으)ㄴ
Als Attributivform wird -더- zu -던 und markiert die Vergangenheit als erinnert – entweder gewohnheitsmäßig („früher immer“) oder unvollendet/unterbrochen: 다니던 학교 (danideon hakgyo, die Schule, die ich früher besuchte), 마시던 커피 (masideon keopi, der Kaffee, den ich gerade trank). -았/었던 fügt Abgeschlossenheit und Diskontinuität hinzu – es geschah, und es ist jetzt vorbei oder nicht mehr wahr: 갔던 곳 (gatdeon got, der Ort, an dem ich einmal war), 예뻤던 얼굴 (yeppeotdeon eolgul, das Gesicht, das früher hübsch war). Das einfache -(으)ㄴ (Lektion 24) ist die neutrale abgeschlossene Vergangenheit ohne diesen Beigeschmack von Erinnerung/Diskontinuität: 먹은 빵 (meogeun ppang, das gegessene Brot).
Formen und Muster
Die gesprochenen -더--Endungen (sie werden direkt an jeden Stamm angehängt – kein 으, keine Aufspaltung durch Vokalharmonie):
| Endung | Funktion | Nach einem Vokal | Nach einem 받침 |
|---|---|---|---|
| -더라고요 | berichten, was du selbst erlebt hast (해요체) | 가다 -> 가더라고요 (gadeoragoyo) | 먹다 -> 먹더라고요 (meokdeoragoyo) |
| -더라 | dasselbe, locker (반말) | 오다 -> 오더라 (odeora), past 왔더라 (watdeora) | 좋다 -> 좋더라 (joteora) |
| -던데요 | selbst erlebter Hintergrund, der zu einer Antwort einlädt | 크다 -> 크던데요 (keudeondeyo), past 컸던데요 (keotdeondeyo) | 많다 -> 많던데요 (manteondeyo) |
| -더니 | selbst erlebtes X -> Veränderung/Ergebnis (2./3. Person) | 자다 -> 자더니 (jadeoni) | 웃다 -> 웃더니 (utdeoni) |
Die Attributivformen (-던 wird direkt angehängt; -았/었던 braucht die Vergangenheit, ausgewählt nach Vokalharmonie):
| Form | Was erinnert wird | Beispiel | Glosse |
|---|---|---|---|
| -던 | gewohnheitsmäßig, „früher immer“ | 다니다 -> 다니던 학교 (danideon hakgyo) | die Schule, die ich früher besuchte |
| -던 | unvollendet / unterbrochen | 마시다 -> 마시던 커피 (masideon keopi) | der Kaffee, den ich gerade trank |
| -았/었던 | abgeschlossen, jetzt vorbei | 가다 -> 갔던 곳 (gatdeon got) | der Ort, an dem ich einmal war |
| -았/었던 | vergangener Zustand, nicht mehr wahr | 예쁘다 -> 예뻤던 얼굴 (yeppeotdeon eolgul) | das Gesicht, das früher hübsch war |
| -(으)ㄴ | einfache abgeschlossene Vergangenheit | 먹다 -> 먹은 빵 (meogeun ppang) | das (bereits) gegessene Brot |
-더니 gegenüber -았/었더니 – der Dreh- und Angelpunkt bei Person und Zeitform:
| -더니 | -았/었더니 | |
|---|---|---|
| Subjekt | 2./3. Person (jemand, den du beobachtet hast) | 1. Person (ich) |
| Erster Teilsatz | selbst erlebte Situation, Präsensstamm + 더니 | meine eigene vergangene Handlung, Vergangenheit + 더니 |
| Bedeutung | „war X, und dann (Veränderung / als Ergebnis)“ | „ich tat X, und dann geschah Y / ich stellte Y fest“ |
| Beispiel | 동생이 울더니 잠들었어요 (dongsaengi uldeoni jamdeureosseoyo) | (제가) 아침을 안 먹었더니 배고파요 (meogeotdeoni baegopayo) |
Person und Evidenz auf einen Blick (-더- kodiert immer Evidenz aus erster Hand aus der Vergangenheit):
| Du willst sagen … | Subjekt | Verwendung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| was du eine andere Person hast tun sehen | 3. Person | -더라고요 | 친구가 공부하더라고요 (chinguga gongbuhadeoragoyo) |
| deine eigene vergangene Handlung | 1. Person | einfache Vergangenheit, nicht -더- | 저는 공부했어요 (jeoneun gongbuhaesseoyo) |
| dein eigenes Gefühl / deine eigene Reaktion | 1. Person | -더라고요 | 저는 무섭더라고요 (jeoneun museopdeoragoyo) |
| das Gefühl einer anderen Person | 3. Person | -어하다 + -더라고요 | 친구는 무서워하더라고요 (chinguneun museowohadeoragoyo) |
Beispiele
- 어제 명동에 사람이 정말 많더라고요. (Eoje Myeongdonge sarami jeongmal manteoragoyo.) – Gestern waren wirklich viele Leute in Myeongdong (wie ich sah).
- 그 카페 커피가 맛있더라고요. (Geu kape keopiga masitdeoragoyo.) – Der Kaffee in diesem Café war gut, wie ich feststellte.
- 저는 그 영화가 좀 무섭더라고요. (Jeoneun geu yeonghwaga jom museopdeoragoyo.) – Ich fand diesen Film etwas gruselig.
- 그 사람 노래 진짜 잘하더라. (Geu saram norae jinjja jalhadeora.) – Diese Person hat wirklich gut gesungen.
- 아까 보니까 문이 열려 있던데요. (Akka bonikka muni yeollyeo itdeondeyo.) – Als ich vorhin nachsah, stand die Tür offen, weißt du.
- 동생이 한참 울더니 잠들었어요. (Dongsaengi hancham uldeoni jamdeureosseoyo.) – Mein kleines Geschwister hat eine Weile geweint und ist dann eingeschlafen.
- 매일 운동하더니 정말 건강해졌어요. (Maeil undonghadeoni jeongmal geonganghaejeosseoyo.) – Er hat jeden Tag trainiert und ist richtig gesund geworden.
- 아침을 안 먹었더니 지금 너무 배고파요. (Achimeul an meogeotdeoni jigeum neomu baegopayo.) – Ich habe das Frühstück ausgelassen, deshalb habe ich jetzt großen Hunger.
- 어릴 때 살았던 집에 다시 가 봤어요. (Eoril ttae saratdeon jibe dasi ga bwasseoyo.) – Ich bin zu dem Haus zurückgegangen, in dem ich als Kind gewohnt habe.
- 제가 마시던 커피가 아직 여기 있어요. (Jega masideon keopiga ajik yeogi isseoyo.) – Der Kaffee, den ich gerade getrunken habe, ist noch hier.
Häufige Fehler
- 저는 매일 학교에 가더라고요. (Jeoneun maeil hakgyoe gadeoragoyo.) -> 저는 매일 학교에 갔어요. (Jeoneun maeil hakgyoe gasseoyo.) – -더- berichtet, was du von außen beobachtest, deshalb passt es nicht zu deiner eigenen Handlung; berichte deine eigenen Handlungen mit der einfachen Vergangenheit -았/었-.
- 친구는 그 영화가 무섭더라고요. (Chinguneun geu yeonghwaga museopdeoragoyo.) -> 친구는 그 영화를 무서워하더라고요. (Chinguneun geu yeonghwareul museowohadeoragoyo.) – ein bloßes Gefühlsadjektiv + -더- kann nur dein eigenes Gefühl beschreiben; für das Gefühl einer anderen Person verwende -어하다 (so geschrieben würde 친구는 무섭더라고요 bedeuten „mein Freund war gruselig, wie ich feststellte“).
- 저는 아침을 안 먹더니 배고파요. (Jeoneun achimeul an meokdeoni baegopayo.) -> 저는 아침을 안 먹었더니 배고파요. (Jeoneun achimeul an meogeotdeoni baegopayo.) – wenn deine eigene Handlung das Ergebnis verursacht, verwende -았/었더니 (Vergangenheit); das einfache -더니 braucht eine selbst erlebte Situation in der 2./3. Person.
- 책상 위에 마신 커피가 있어요. (Chaeksang wie masin keopiga isseoyo.) -> 책상 위에 마시던 커피가 있어요. (Chaeksang wie masideon keopiga isseoyo.) – 마신 = getrunken (fertig, weg); Kaffee, den du halb ausgetrunken stehen gelassen hast, ist 마시던 (unvollendet). -(으)ㄴ schließt die Handlung ab; -던 lässt sie offen.
- 그 집 진짜 좋더라구요. (Geu jip jinjja joteoraguyo.) -> 그 집 진짜 좋더라고요. (Geu jip jinjja joteoragoyo.) – die Standardschreibweise ist -더라고요; -더라구요 ist eine umgangssprachliche Falschschreibung derselben Endung.
Tipps
- -더- bedeutet „ich war dabei.“ Alles, was darauf aufbaut – -더라고요, -더라, -던데요, -더니 und die Attributivform -던 – trägt Evidenz aus erster Hand aus der Vergangenheit: du hast es selbst gesehen, gehört oder gefühlt. Das unterscheidet es vom Hörensagen aus zweiter Hand, -대요 (Lektion 59).
- Eigene Handlung -> kein -더-; eigenes Gefühl -> ja, -더-. Du kannst dich nicht selbst handeln sehen, aber du kannst deine eigenen Gefühle fühlen, deshalb ist 저는 무섭더라고요 in Ordnung, 저는 가더라고요 dagegen nicht.
- -던 lässt es offen, -았/었던 schließt es ab. Gewohnheitsmäßig oder unvollendet = -던 (마시던 커피 steht noch auf dem Schreibtisch); fertig und vorbei = -았/었던 (마셨던 커피 ist längst weg).
- -더니 dreht sich um 았/었. Kein Vergangenheitsmarker = jemand, den du beobachtet hast, hat sich verändert oder reagiert; füge 았/었 mit einem 저/제-Subjekt hinzu = deine eigene Handlung hat das Ergebnis hervorgebracht.