Kausativ und Kausativ-Passiv

B1 使役と使役受身「〜(さ)せる・〜(さ)せられる」 46 / 69

Kurz gefasst

Der Kausativ 〜(さ)せる deckt sowohl das englische „jemanden zwingen, etwas zu tun“ als auch „jemanden etwas tun lassen“ ab – eine Form, und die Partikel bei der Person entscheidet, welches gemeint ist: 子供を行かせます kodomo o ikasemasu („ich lasse das Kind gehen“, im Sinn von zwingen) gegenüber 子供に行かせます kodomo ni ikasemasu („ich lasse das Kind gehen“, im Sinn von erlauben). Setzt man das Passiv obendrauf, erhält man 〜(さ)せられる, die Form für „ich wurde gezwungen, etwas zu tun, das ich nicht wollte“: 待たされました matasaremashita („ich wurde warten gelassen“).

Die Regel

Schritt 1 – Bilde den Kausativ aus der Verbgruppe. Die Gruppen sind dieselben wie in Verbgruppen und die höfliche ます-Form.

  • Gruppe I (五段): das abschließende -u zu -aseru wandeln. 書く kaku -> 書かせる kakaseru, 待つ matsu -> 待たせる mataseru, 読む yomu -> 読ませる yomaseru, 帰る kaeru -> 帰らせる kaeraseru. Verben, die auf う enden, nehmen わ, nicht あ: 買う kau -> 買わせる kawaseru, 手伝う tetsudau -> 手伝わせる tetsudawaseru.
  • Gruppe II (一段): る weglassen und させる anhängen. 食べる taberu -> 食べさせる tabesaseru, 見る miru -> 見させる misaseru.
  • する -> させる saseru. Jedes Nomen + する-Verb ist automatisch dabei: 勉強する -> 勉強させる benkyō saseru.
  • 来る -> 来させる kosaseru. Die Lesung wechselt zu ko-, genau wie bei 来ない konai.

Schritt 2 – Jedes Kausativverb ist ein Verb der Gruppe II. Sobald es auf 〜せる endet, konjugiert es wie 食べる, ganz gleich, welches Verb ursprünglich dahinterstand: 書かせます, 書かせません, 書かせた, 書かせて, 書かせない. Ein einziges Paradigma deckt alles ab.

Schritt 3 – Wähle を oder に bei der Person, und diese Wahl trägt die Bedeutung. Das ist die ganze Schwierigkeit des Kausativs, und sie funktioniert unterschiedlich, je nachdem, ob das Verb schon ein Objekt hat.

Bei einem intransitiven Verb (行く, 来る, 座る, 休む, 泣く) ist der Platz für を frei, also steht er zur Markierung der Person zur Verfügung – und die Wahl ist bedeutungstragend:

  • N1は + N2を + V-Kausativ = zwingen. Der Betroffene hatte kein Mitspracherecht. 子供を行かせました Kodomo o ikasemashita. („Ich habe das Kind zum Gehen gezwungen.“)
  • N1は + N2に + V-Kausativ = erlauben. Der Betroffene wollte es, und du hast es erlaubt. 子供に行かせました Kodomo ni ikasemashita. („Ich habe das Kind gehen lassen.“)

Bei einem transitiven Verb ist der Platz für を schon vom Objekt besetzt, und ein japanischer Satz kann nicht zwei を enthalten. Also steht der Betroffene immer mit に, und die Unterscheidung zwingen/erlauben ist in den Partikeln nicht mehr sichtbar:

子供に野菜を食べさせます。 Kodomo ni yasai o tabesasemasu. – „Ich lasse das Kind Gemüse essen“, sei es erzwungen oder erlaubt. Nur der Kontext entscheidet.

Schritt 4 – Mit den benefaktiven Verben „erlauben“ eindeutig machen. Wenn die Partikeln nicht disambiguieren können, greift das Japanische zu den Gebe-und-Nehme-Verben aus Geben und Empfangen, gewöhnliche und benefaktive Verben.

  • 〜させてあげる – „jemandem freundlicherweise erlauben, etwas zu tun“, aus der Sicht des Erlaubenden. 子供に好きな本を読ませてあげました。 Wie bei schlichtem 〜てあげる wirkt es herablassend, das zu der Person zu sagen, der man die Erlaubnis gibt.
  • 〜させてもらう – „etwas tun dürfen“, aus der eigenen Sicht. Das ist das höfliche Arbeitspferd: 早く帰らせてもらいました Hayaku kaerasete moraimashita. („Ich durfte früher gehen.“)
  • 〜させていただく – die bescheidene Version desselben Musters, und bei Weitem der häufigste Kausativ im Geschäftsjapanisch. Oft ist es gar keine echte Bitte um Erlaubnis, sondern nur eine sehr höfliche Art, die eigene Handlung anzukündigen: 明日、資料を送らせていただきます。 Die vollständige Behandlung findet sich in Keigo: bescheidene Formen (Kenjōgo).

Schritt 5 – Um Erlaubnis bitten mit 〜させてください. Wörtlich „bitte lass mich das tun“ – die Standardformel, um sich zu etwas anzubieten oder um freie Zeit zu bitten: 少し休ませてください。 Sukoshi yasumasete kudasai. Die höflichere Stufenleiter geht 〜させてもらえませんか -> 〜させていただけませんか, gebaut mit demselben Stapelverfahren, das du schon von Bitten kennst.

Schritt 6 – Emotive Kausative: die Person ist betroffen, also を. Bei Gefühlsverben ist der Fühlende das Subjekt des einfachen Verbs, „jemanden etwas fühlen lassen“ muss also mit dem Kausativ gebildet werden: 泣く ist „weinen“, und „zum Weinen bringen“ ist 泣かせる. Wörterbücher führen diese Kausative als eigenständige transitive Verben, und die fühlende Person steht mit を, obwohl das einfache Verb intransitiv ist – die erlaubende „lassen“-Lesart, die に trägt, ist hier nicht gemeint.

Schritt 7 – Das Kausativ-Passiv: Kausativ + Passiv = „ich wurde gezwungen, zu …“. Nimm den Kausativstamm und hänge die Passivendung an: 書かせる -> 書かせられる kakaserareru. Es sagt, dass fremde Veranlassung dich getroffen hat, und trägt einen klaren Beiklang von Widerwillen – du hast es getan, aber nicht, weil du es wolltest.

Der Satzrahmen ist N1は + N2に + 〜(さ)せられる: Wer die Handlung ausgeführt hat, ist das Subjekt, und wer sie erzwungen hat, steht mit に.

学生は先生に作文を書かされました。 Gakusei wa sensei ni sakubun o kakasaremashita. – „Die Schüler wurden vom Lehrer gezwungen, einen Aufsatz zu schreiben.“

Schritt 8 – Die Kontraktion 〜される der Gruppe I ist das, was du tatsächlich hörst. Bei Verben der Gruppe I zieht sich 〜せられる zu 〜される zusammen: 書かせられる -> 書かされる kakasareru, 待たせられる -> 待たされる matasareru, 買わせられる -> 買わされる kawasareru. Die kurze Form ist die normale gesprochene Wahl und vollkommen standardsprachlich.

Die eine Ausnahme: Verben, deren Wörterbuchform auf す endet, können nicht kontrahieren, weil das Ergebnis mit sich selbst zusammenfallen würde. 話す ergibt nur 話させられる hanasaserareru – ×話さされる existiert nicht. Verben der Gruppe II, する und 来る kontrahieren ebenfalls nie: 食べさせられる, させられる, 来させられる kosaserareru.

Formen und Muster

Beide Formen ableiten. Romaji kursiv; die letzte Spalte ist das kontrahierte, gesprochene Kausativ-Passiv.

KlasseWörterbuchformKausativ 〜(さ)せるKausativ-Passiv 〜(さ)せられるKurzform
Gruppe I 〜く書く kaku書かせる kakaseru書かせられる kakaserareru書かされる kakasareru
Gruppe I 〜つ待つ matsu待たせる mataseru待たせられる mataserareru待たされる matasareru
Gruppe I 〜む読む yomu読ませる yomaseru読ませられる yomaserareru読まされる yomasareru
Gruppe I 〜ぐ泳ぐ oyogu泳がせる oyogaseru泳がせられる oyogaserareru泳がされる oyogasareru
Gruppe I 〜う買う kau買わせる kawaseru買わせられる kawaserareru買わされる kawasareru
Gruppe I 〜る帰る kaeru帰らせる kaeraseru帰らせられる kaeraserareru帰らされる kaerasareru
Gruppe I 〜す話す hanasu話させる hanasaseru話させられる hanasaserarerukeine
Gruppe II食べる taberu食べさせる tabesaseru食べさせられる tabesaserareru-
Gruppe II見る miru見させる misaseru見させられる misaserareru-
Unregelmäßigする suruさせる saseruさせられる saserareru-
Unregelmäßig来る kuru来させる kosaseru来させられる kosaserareru-

Zwingen oder erlauben – die Partikeln lesen.

VerbtypMusterLesungBeispiel
Intransitiv + をN1は + N2を + V-Kausativzwingen – erzwungen子供を行かせます Kodomo o ikasemasu.
Intransitiv + にN1は + N2に + V-Kausativerlauben – gestattet子供に行かせます Kodomo ni ikasemasu.
TransitivN1は + N2に + N3を + V-Kausativzwingen oder erlauben – Kontext entscheidet子供に野菜を食べさせます
EmotivN1は + N2を + V-Kausativjemanden etwas fühlen lassen母を心配させます Haha o shinpai sasemasu.
+ benefaktivN2に + V-Kausativ + てあげる/もらうeindeutig erlauben帰らせてもらいました

Die vier Handlungsformen im Vergleich – ein Verb, 書く, damit du siehst, wie sich der Satzrahmen verschiebt.

HandlungsformFormSatzrahmenBeispiel
Aktiv 能動書く kakuN1が + N2を学生が作文を書きます。
Passiv 受身書かれる kakareruN1が + N2に/によって作文が学生によって書かれます。
Kausativ 使役書かせる kakaseruN1が + N2に + N3を先生が学生に作文を書かせます。
Kausativ-Passiv 使役受身書かせられる/書かされるN1が + N2に + N3を学生が先生に作文を書かされます。

Lies die letzten beiden als Paar: Sie beschreiben dasselbe Ereignis, einmal aus der Sicht des Lehrers und einmal aus der Sicht des Schülers.

Emotive Kausative – der Kausativ ist die einzige Möglichkeit zu sagen „jemanden etwas fühlen lassen“, und er ist ein transitives Verb, das を nimmt.

Einfaches VerbKausativRomajiBedeutung
泣く泣かせるnakaserujemanden zum Weinen bringen
笑う笑わせるwarawaserujemanden zum Lachen bringen
困る困らせるkomaraserujemandem Ärger bereiten
喜ぶ喜ばせるyorokobaseruerfreuen, jemanden froh machen
心配する心配させるshinpai saserujemanden beunruhigen

Beispiele

  • 先生は学生に作文を書かせました。 (Sensei wa gakusei ni sakubun o kakasemashita.) – Der Lehrer ließ die Schüler einen Aufsatz schreiben.
  • 母は弟を買い物に行かせました。 (Haha wa otōto o kaimono ni ikasemashita.) – Meine Mutter schickte meinen jüngeren Bruder einkaufen.
  • 子供に好きな本を読ませています。 (Kodomo ni suki na hon o yomasete imasu.) – Ich lasse mein Kind die Bücher lesen, die es mag.
  • 少し休ませてください。 (Sukoshi yasumasete kudasai.) – Bitte lass mich ein wenig ausruhen.
  • 明日、資料を送らせていただきます。 (Ashita, shiryō o okurasete itadakimasu.) – Ich werde Ihnen die Unterlagen morgen zusenden.
  • 今日は早く帰らせてもらいました。 (Kyō wa hayaku kaerasete moraimashita.) – Ich durfte heute früher nach Hause gehen.
  • 子供のとき、毎日ピアノを練習させられました。 (Kodomo no toki, mainichi piano o renshū saseraremashita.) – Als ich ein Kind war, wurde ich gezwungen, jeden Tag Klavier zu üben.
  • 昨日は駅で一時間も待たされました。 (Kinō wa eki de ichijikan mo matasaremashita.) – Gestern wurde ich am Bahnhof eine ganze Stunde lang warten gelassen.
  • その映画は多くの人を泣かせました。 (Sono eiga wa ōku no hito o nakasemashita.) – Dieser Film brachte viele Menschen zum Weinen.
  • プレゼントで母を喜ばせたいです。 (Purezento de haha o yorokobasetai desu.) – Ich möchte meine Mutter mit einem Geschenk erfreuen.

Häufige Fehler

  • 子供を野菜を食べさせました。 (Kodomo o yasai o tabesasemashita.) -> 子供に野菜を食べさせました。 (Kodomo ni yasai o tabesasemashita.) – ein Satz kann nicht zwei を enthalten. Ist das Verb transitiv, behält das Objekt を, und der Betroffene wird in に gedrängt.
  • 私は兄に手伝わされました。 (Watashi wa ani ni tetsudawasaremashita.) -> 私は兄に手伝わせました。 (Watashi wa ani ni tetsudawasemashita.) – wolltest du sagen „ich habe meinen Bruder gezwungen, mir zu helfen“, brauchst du den schlichten Kausativ. 〜させられる richtet die Veranlassung auf das Subjekt, der erste Satz sagt also, dass dein Bruder dich dazu gezwungen hat.
  • 飲み物を買あせました。 (Nomimono o kaasemashita.) -> 飲み物を買わせました。 (Nomimono o kawasemashita.) – Verben der Gruppe I, die auf う enden, fügen わ ein, nie あ. Dieselbe Regel wie bei der ない-Form 買わない.
  • 毎日きさせられました。 (Mainichi kisaseraremashita.) -> 毎日来させられました。 (Mainichi kosaseraremashita.) – 来る behält durchgehend die Lesung ko- bei, auch im Kausativ und im Kausativ-Passiv, genau wie bei 来ない konai.
  • 会議で話さされました。 (Kaigi de hanasasaremashita.) -> 会議で話させられました。 (Kaigi de hanasaseraremashita.) – die kurze Kontraktion 〜される ist bei Verben blockiert, deren Wörterbuchform auf す endet. 話す hat nur die lange Form.

Tipps

  • Die Partikel trägt die Bedeutung, entscheide also zuerst über die Partikel. Bei einem intransitiven Verb frag dich: Wollte die Person es tun? Wenn ja, に (erlauben); wenn nein, を (zwingen). Hat das Verb schon ein を-Objekt, hör auf zu fragen – der Betroffene steht mit に, und du fügst 〜てあげる oder 〜てもらう hinzu, wenn die „erlauben“-Lesart unmissverständlich sein muss.
  • 見せる ist nicht der Kausativ von 見る. 見せる miseru („zeigen“) ist ein eigenständiges Verb; 見させる misaseru ist „jemanden hinschauen lassen/dazu zwingen“. Dieselbe Falle steckt in 着せる („jemanden anziehen“) gegenüber 着させる. Eine kurz aussehende Form ist oft ein eigenständiges lexikalisches Verb, keine Ableitung.
  • Wo Englisch „I got to“ sagt, verwendet Japanisch nicht das Kausativ-Passiv. 〜させられる trägt immer Widerwillen. „Ich durfte es ausprobieren“ heißt 試させてもらいました, nicht ×試させられました – der zweite Satz sagt, dass du dazu gezwungen wurdest. Wähle 〜させてもらう für alles, worüber du froh warst.
  • 〜させていただきます geht selten wirklich um Erlaubnis. In Geschäften, E-Mails und Ansagen ist es einfach ein sehr bescheidenes „Ich werde X tun“ (確認させていただきます, „ich werde prüfen“). Erkenne es als feste Höflichkeitsform, statt herauszuanalysieren, wer wen um Erlaubnis bittet.